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Hochschulkürzungen stoppen, Studienvielfalt erhalten

In der Hochschulsenatssitzung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wurde am Mittwoch, dem 6. April 2022, mit dem sogenannten Hochschulentwicklungsplan über massive Kürzungen an der MLU entschieden. Die GEW Sachsen-Anhalt kritisiert dieses Vorhaben aufs Schärfste und fordert die Landesregierung zum Handeln auf. Die im Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken zugesicherte Kofinanzierung der Bundesmittel muss endlich umgesetzt werden! Weiterhin muss alles dafür getan werden, die Lehramtsausbildung zu erhalten und auszubauen!

Die GEW Sachsen-Anhalt fordert den akademischen Senat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) sowie die Landesregierung dazu auf, den Kürzungsprozess an der MLU umgehend zu stoppen. Der Hochschulentwicklungsplan mitsamt den darin enthaltenen massiven Kürzungen bedeutet den Abbau von 250 Stellen, mehr als 20 Professuren und bis zu 3.000 Studienplätzen. „Damit läuft Sachsen-Anhalt in eine bildungspolitische Katastrophe“, sagt die GEW-Landesvorsitzende Eva Gerth.

„Der 6. April war ein trauriger Tag für die Forschung und Lehre in Sachsen-Anhalt“, sagt Eva Gerth. „Wir sehen eine gefährdete Fächervielfalt an der MLU, wenn diese Kürzungen umgesetzt werden.  Damit ist nicht nur die Attraktivität der Universität insgesamt gefährdet, viele Studierende überlegen jetzt schon, ob sie die Uni verlassen oder überhaupt an der MLU ihr Studium beginnen wollen – für Wissenschaftler*innen werden die Arbeits- und Forschungsbedingungen an der MLU unattraktiver, Professor*innen werden das Land verlassen. Diese bittere Entscheidung wird einen erheblichen Schaden in der Wirtschafts- und Wissenschaftslandschaft in Sachsen-Anhalt und nicht zuletzt auch für die Stadt Halle (Saale) anrichten!“, so Gerth weiter.

Es werden künftig gut ausgelastete und attraktive Studiengänge geschlossen, was negative Auswirkungen auf die Attraktivität einzelner Studiengänge und die Studienbedingungen insgesamt nach sich ziehen wird. Sehr stark wird auch die Lehramtsbildung betroffen sein: Mit dem Wegfall der Professur für Pädagogik für Lernbeeinträchtigung wird das Lehramt an Förderschulen im Bereich der Lernbehindertenpädagogik in Halle künftig nicht mehr möglich sein, ebenso ist die Lehramtsausbildung in Sozialkunde (Studiengang wird im Wintersemester ausgesetzt) betroffen. Dies wiederum hat Auswirkungen auf die Kombinationsfächer: Wer Deutsch, Englisch oder Biologie etc. mit Sozialkunde kombinieren will, kann zukünftig nicht mehr in Halle Lehramt studieren. Auch der Wegfall der Professur für Romanische Sprachwissenschaft betrifft unmittelbar die Lehrämter für Französisch und Spanisch und auch das Lehramt Englisch steht mit dem Wegfall einer Professur vor großen Schwierigkeiten. Mit der längerfristig geplanten Streichung der einzigen Stelle im Bereich Deutsch als Fremdsprache steht der Master dieses Studiengangs ebenso auf der Kippe und die Möglichkeit, dieses Fach überhaupt in Sachsen-Anhalt studieren zu können.
Bei dem derzeitigen und künftigen Lehrkräftemangel muss die Landesregierung hier ganz ausdrücklich handeln und auf jeden Fall die Lehramtsstudiengänge ausfinanzieren. Lehrer*innenbildung ist eine staatliche Aufgabe.

„Mit der Absenkung von bis zu 3.000 Studienplätzen und den Personaleinsparungen verstoßen die Universität und das Land gegen den mit dem Bund verhandelten Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken, in dem der MLU bis zu 11 Millionen Euro zugesprochen worden sind. Jedoch ist unklar, was mit den Mitteln passieren wird, wenn einseitig die Vereinbarungen nicht eingehalten werden“, sagt Eva Gerth. Die Landesregierung weigert sich, die Kofinanzierung des Zukunftsvertrags in der gleichen Höhe zu tragen und allen Hochschulen im Land dauerhaft zusätzlich zum Grundbudget zur Verfügung zu stellen – dies wären dringend benötigte 15 Millionen Euro pro Jahr für die MLU. Bis heute hat die Landesregierung originäre Landesaufgaben, die die MLU übernimmt, nicht ausreichend finanziert: Dazu gehören das Landesstudienkolleg, die Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt als Landesorgan sowie der Wegfall der Langzeitstudiengebühren. Laut Rektorat würden diese Posten alleine 12,5 Millionen Euro pro Jahr ausmachen!

„Letztlich werden sich durch den Personalabbau unabdingbar die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter*innen verschlechtern, da mit den Stellenkürzungen mehr Arbeit in Forschung und Lehre für weniger Mitarbeiter*innen anfällt. Das ist ein Armutszeugnis und konterkariert die weitreichende Tradition der Martin-Luther-Universität in unserem Land“, bewertet die Landesvorsitzende Gerth abschließend.

 

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