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Teststrategie an Schulen

Eva Gerth, die Landesvorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt, hat sich mit einem öffentlichen Brief an Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner gewandt, um die Position der GEW zur derzeitigen Teststrategie zu äußern. So lautet der Brief an das Bildungsministerium:

Sehr geehrter Herr Minister Tullner,

die GEW begrüßt ausdrücklich, dass Schüler*innen mit Schnelltests getestet werden. Dies erhöht ohne Zweifel die Sicherheit aller Betroffenen im Schulbetrieb. Bei der Umsetzung dieser Teststrategie gibt es allerdings noch viele Schwierigkeiten, die vor Ort die Akzeptanz der Testmaßnahmen ausbremsen und das pädagogische Personal gegenüber Eltern in Erklärungsnöte bringen bzw. stärker belasten könnten.

Nur einige Punkte sollen hier aufgezählt werden:

  • Es sind nicht ausreichend Schnelltests vorhanden, um alle Schüler*innen zweimal wöchentlich zu testen. An vielen Schulen sind die Schnelltest derzeit aufgebraucht, so dass keine Tests für die Woche nach Ostern zur Verfügung stehen.
  • Mindestens an Grund- und Förderschulen benötigen die Kinder Hilfestellung beim Test. Selbst wenn man das pädagogische Personal verpflichten könnte, die Tests anzuleiten und zu betreuen, was die GEW bezweifelt und was auch nicht im entsprechenden Erlass verfügt wurde, eine aktive Hilfestellung zum Test kann von Lehrkräften und pädagogischen Mitarbeiter*innen auf jeden Fall nicht gefordert werden.
  • Die vernünftige Lösung, Tests der Schülerinnen und Schüler zuhause mit den Eltern durchführen zu können, hatte leider keinen Bestand, obwohl das in Kindertagesstätten und Horten möglich ist.
  • Die Entsorgung der gebrauchten Testkits ist nicht in allen Schulen gewährleistet. Entsorgungsbehälter, Schutzausrüstung und Einmalhandschuhe sind Mangelware.
  • Es werden zum Teil Tests an die Schulen geliefert, die aufbereitet werden müssen, u. a. müssen Lösungen abgefüllt oder Großpackungen geöffnet und die Tests zusammengestellt werden.  
  • Die Schulleitungen müssen die Tests selbst an Sammelstellen abholen.


Sehr geehrter Herr Minister,

die GEW fordert Sie dringend auf, jetzt vernünftige und pragmatische Lösungen zu finden, die Schulen damit zu unterstützen und vor allem Akzeptanz für die Tests bzw. weitere Maßnahmen zu schaffen.
U. a. schlagen wir vor:

  1. Die Bildungseinrichtungen entscheiden nach Ostern zunächst durch eine Absprache mit Eltern- und Schülerräten bzw. – nach der entsprechenden Vorbereitung – durch einen Beschluss der Gesamtkonferenz eigenverantwortlich über die Durchführung der Tests. Diese können entweder in der Schule, im Elternhaus oder in einer gemischten Variante stattfinden.
    Soweit die Schulen medizinisch geschultes Personal in ihrem Umkreis für die Durchführung der Tests finden können, ist das zu erlauben. Es ist zu prüfen, ob Honorare gezahlt werden können.
    Das Bildungsministerium stellt Formulare für eine Dokumentation der Tests in allen Fällen zur Verfügung.
  2. Wir benötigen mindestens an Grund- und Förderschulen auf jeden Fall Unterstützung durch medizinisch geschultes Personal. Hier sind alle Anstrengungen zu unternehmen, Lösungen zu finden.
  3. Die Schulen können eine kollegiale Beratung durch die Schulpsycholog*innen bzw. die Schulfachlichen Referent*innen in Anspruch nehmen, wenn sie Fragen zum Umgang mit positiven Testergebnissen haben. Der GEW ist es wichtig, Lösungsansätze zu finden, die der Stigmatisierung positiv getesteter Schüler*innen entgegenwirken oder auch der Verweigerung von Tests aus Angst vor einem positiven Ergebnis und dessen Folgen.
  4. Für die Beschäftigten, die freiwillig die Anleitung und Betreuung der Tests übernehmen, ist eine Haftungsfreistellung auszusprechen.
  5. Das Ministerium bzw. die Schulträger müssen ausreichend leicht handhabbare Tests, Entsorgungsbehälter und Schutzausrüstung für die testenden Personen bereitstellen. Alle Materialien sind an die Schulen zu liefern.

Die GEW ist weiterhin der Auffassung, dass der einzige Maßstab für Schulschließungen bzw. -öffnungen die Empfehlungen des RKI sein können.

Derzeit ist es jedoch offensichtlich innerhalb der Landesregierung Konsens, dass erst ab einer Inzidenz von 200 die Schulen wieder geschlossen werden. Die GEW fordert Sie dringend auf, zumindest diese Regelung umzusetzen. Solange den Schulen nur zweimal wöchentlich Tests zur Verfügung gestellt werden, die nicht verpflichtend für alle Schüler*innen sind, ist ein Schutz aller Beteiligten in der Schule nicht gewährleistet. Die GEW weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es zwar eine Impfmöglichkeit für das pädagogische Personal gibt, die Impfungen aber längst noch nicht überall umgesetzt sind.  

Für ein Gespräch stehe ich gern zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

Eva Gerth
Landesvorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt

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