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Land will geleistete Arbeit von Lehrkräften nur unter Wert bezahlen

Das Bildungsministerium hat vor wenigen Tagen den Lehrkräften in Sachsen-Anhalt angeboten, einen Teil der Überstunden weit unter Wert abzukaufen. Die Lehrkräfte sollen im Gegenzug dafür auf den ihnen zustehenden Freizeitausgleich verzichten. Dieses Angebot verdeutlicht zum einen die enorme Not bei der Unterrichtsversorgung des Landes, zum anderen wird deutlich, was von der immer wieder behaupteten hohen Wertschätzung des Bildungsministers von der Arbeit der Lehrkräfte zu halten ist: Nichts.

Die Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt schieben einen Berg von mehr als 200.000 Überstunden vor sich her. Diese müssten durch Freizeitausgleich abgegolten werden. Das Angebot der Landesregierung soll diese hohe Zahl reduzieren. Eva Gerth, Vorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt erklärte dazu: „Eine Reduzierung der Überstunden ist mit Sicherheit dringend geboten, allerdings geht das Ministerium mit der jetzigen Notmaßnahme den falschen Weg. Der grundlegende Missstand wird damit nicht einmal ansatzweise gelöst.“ Vielmehr sei das hilflose Vorgehen ein weiterer deutlicher Beweis für den gravierenden Lehrkräfte-Mangel, für den die Landesregierung keine Lösungen anbieten kann. Nach wie vor schaffe es das Bildungsministerium nicht, ausreichend Personal an die Schulen zu bringen. Sachsen-Anhalt erlebe die schlechteste Unterrichtsversorgung aller Zeiten.

Die angeboten Geldbeträge für die geleisteten Überstunden entsprechen mitunter nur der Hälfte dessen, was das Land für eine arbeitsvertraglich vereinbarte Unterrichtsstunde zahlen müsste und im Haushalt auch vorhält. „Sich mit dieser Billiglohn-Strategie aus der Verantwortung für sein Personal freizukaufen, kann nicht die Lösung sein. Sie schadet den Kollegien an den Schulen, lässt jeden Fürsorgegedanken vermissen und treibt insbesondere die Zahlen der langzeiterkrankten Kolleginnen und Kollegen weiter nach oben.“, sagte Gerth weiter.

Die GEW kritisiert vor allem neben den zu niedrigen Vergütungssätzen die Nichtbeachtung des Gesundheitsschutzes und das Fehlen jeglicher Fürsorge des Landes gegenüber seinen Lehrkräften. Generell besteht es die Pflicht eines Arbeitgebers, Überlastungssituationen zu vermeiden. Die angehäuften Überstunden sowie die verweigerten Freizeitausgleiche sprechen leider eine andere Sprache. Einige wenige betroffene Lehrkräfte werden das Angebot vielleicht annehmen, dem Gesamtsystem Schule wird dieses Angebot nichts bringen. Man muss keine hellseherischen Fähigkeiten haben, um die weitere Verschlechterung der jetzt schon katastrophalen Unterrichtsversorgung vorherzusagen.

 

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