12_gew.png  

 


Minister bricht Versprechen und verärgert angehende Lehrer*innen

PRESSEMITTEILUNG

Reform des Vorbereitungsdienstes für Lehrkräfte – Ministerium bricht Versprechen und verärgert angehende Lehrer*innen

Mit der Veränderung der „Verordnung über den Vorbereitungsdienst und die Laufbahnprüfung für ein Lehramt in Sachsen-Anhalt“ setzte das Bildungsministerium Sachsen-Anhalts 2017 – gegen den Protest von Gewerkschaften und Verbänden – weitreichende Kürzungen bei der Betreuung von angehenden Lehrkräften im Vorbereitungsdienst durch. Damals beschwichtigte Minister Tullner, er werde das neue System erproben lassen und nach einem Jahr überprüfen.

Nach Druck vom Grundschulverband (GSV) und von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fand eine Befragung der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst (LiV) statt. Zeitgleich führten GEW und GSV eine eigene Befragung von LiV, Fach- und Hauptseminarleiter*innen und betreuenden Lehrkräften (Mentor*innen) durch.

Die Befragung von GEW und GSV zeigt:

  • LiV, Fach- und Hauptseminarleiter*innen und Mentor*innen kommen übereinstimmend und in großer Mehrheit (> 75% der Befragten) zu dem Ergebnis, dass die 2017 vollzogenen Änderungen die Qualität des Vorbereitungsdienstes negativ beeinflussen und für die LiV eine Überforderung darstellen.
  • Die überwältigende Mehrheit der LiV wird aufgrund des akuten Lehrkräftemangels an den Schulen entgegen der Verordnung zum Vertretungsunterricht eingesetzt (durchschnittlich 2,2 Stunden/Woche).

Die Befragungsergebnisse können hier heruntergeladen werden.

Angesichts dieser eindeutigen Ergebnisse, sollte das Bildungsministerium unverzüglich handeln. Stattdessen aber werden die Ergebnisse der eigenen Umfrage des MB nicht bzw. nur auszugsweise öffentlich gemacht. (Einer Bitte von GSV und GEW um Einsicht wurde nicht stattgegeben.) Ein von über 140 LiV unterschriebener Brief an den Minister, in dem die LiV über ihre ganz konkreten Probleme im Rahmen ihrer schulischen Ausbildung berichten, wurde auf dem Dienstweg zuerst nicht zugestellt und erst auf mehrmalige Nachfrage hin unzureichend und ausweichend beantwortet.

Die einhellig vorgetragenen Probleme der LiV und der Ausbildungsschulen werden vom MB nicht ernst genommen. Die schlechten Evaluationsergebnisse werden bewusst unter Verschluss gehalten.

Thekla Mayerhofer, Vorsitzende des Grundschulverbandes Sachsen-Anhalt, stellt fest: „Der Minister wird bezüglich seiner Ankündigung, die Verordnung bei schlechten Erfahrungen zurückzunehmen, wortbrüchig. Die Qualität der schulischen Ausbildung angehender Lehrkräfte wird offenen Auges der kurzfristigen Unterrichtsversorgung geopfert.“ Die GEW-Vorsitzende Eva Gerth ergänzt: „Das Bildungsministerium nimmt damit auch in Kauf, dass die zukünftigen Lehrer*innen vor den Kopf gestoßen werden. Sie befinden sich in der Ausbildung und sind nicht billige Vertretungskräfte. Wegen solcher Arbeitsbedingungen werden möglicherweise viele dem Land den Rücken kehren.“ Eine LiV beklagt: „Hier wird es den Lehrkräften im Vorbereitungsdienst verwehrt, von den Erfahrungen und Tipps der Mentor*innen zu profitieren.“

Statt einer gemeinsamen Initiative für eine bessere schulische Bildung agiert das Bildungsministerium undemokratisch und schädigend. Das hat unmittelbar negative Auswirkungen auf die Unterrichtsqualität an unseren Schulen!

Wir fordern:

  • eine sofortige Verbesserung der Ausbildungsbedingungen an den Schulen, insbesondere die Aufstockung der Betreuungsstunden für Mentor*innen an den Ausbildungsschulen;
  • ein Ende der Anrechnung des eigenverantwortlichen Unterrichts auf das Stundenkontingent der Schulen;
  • eine Klärung der Einsatzmöglichkeiten der LiV, um den rechtswidrigen Einsatz im Vertretungsunterricht definitiv zu unterbinden;
  • endlich eine offene und nachhaltig wirksame Strategie der Qualitätsentwicklung für die Schulen in Sachsen-Anhalt.

v.i.S.d.P.

Thekla Mayerhofer
Grundschulverband

Eva Gerth
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Drucken E-Mail

Don't have an account yet? Register Now!

Sign in to your account