Beginn des Schuljahres: Ausfall wird zum neuen Hauptfach

Verfasst von Alexander Pistorius.

Morgen beginnt für die Schüler*innen in Sachsen-Anhalt das neue Schuljahr. Die GEW Sachsen-Anhalt blickt mit größter Sorge auf diesen Tag, denn nach wie vor fehlen Lehrkräfte in erheblicher Größenordnung. Die politischen Fehlentscheidungen der letzten Jahre werden weiterhin auf die Beschäftigten abgewälzt.
Knapp 200.000 Kinder und Jugendliche werden morgen früh den Weg zu einer Allgemeinbildenden Schule im Land antreten. Die GEW Sachsen-Anhalt befürchtet, dass sie dort aber allzu oft nicht von einer Lehrkraft empfangen werden können.

Grund der Sorge sind die weiterhin hohen Abgangszahlen bei den Lehrkräften, die das Land trotz erhöhter Ausschreibungszahlen nicht kompensieren kann. „Nimmt man die letzten Zahlen zur Unterrichtsversorgung und die unbefriedigenden Ergebnisse der letzten Ausschreibungsrunden zusammen, zeichnet sich für das Schuljahr 2019/20 ein ganz düsteres Bild ab. Wir rechnen damit, dass die ausgewiesene Unterrichtsversorgung durchschnittlich nur noch bei etwa 96 Prozent liegen wird“, sagte dazu Eva Gerth, Vorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt.
Da aber nach den Erfahrungen der letzten Jahre die Ausfälle von Lehrkräften etwa durch Langzeiterkrankungen, Mutterschutz und Elternzeit immer weiter steigen, müsse damit gerechnet werden, dass mehr als jede zehnte Unterrichtsstunde in diesem Jahr nicht regulär erteilt werden kann. „Die Ressourcen der Schulen sind oft bis zum letzten Tropfen ausgequetscht, Unterrichtsausfall wird damit zum neuen Hauptfach für viele Schülerinnen und Schüler werden.“ Anstatt den Bedarf offen und ehrlich zu benennen, verschanzten sich Bildungsministerium und Landesregierung aber hinter einer Mauer des Schweigens. Zuflucht werde allzu oft in befristeten Kleinprojekten (Verwaltungsassistenten, Stellenzulagen) gesucht oder die Belastungen der Lehrkräfte durch Mehrarbeit und Streichung von Anrechnungsstunden blind weiter überstrapaziert. Substanzielle Lösungen für die jahrelang verschleppte Problematik seien so nicht zu erwarten, sondern eher eine Verschärfung der Misere durch noch mehr Erkrankungen und Kündigungen.
Die GEW appelliert an die Landesregierung, Arbeitszeitkonten für Lehrkräfte auf freiwilliger Basis einzuführen und mehr Geld für den Bildungsbereich zur Verfügung zu stellen. So könnten etwa Lehrkräfte von außerunterrichtlichen Aufgaben entlastet und durch eine gerechte Bezahlung der Grundschul-Lehrkräfte die Versorgung in dieser Schulform besser abgesichert werden.

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