Sachsen-Anhalt bei GS-Lehrkräften mit größtem Bedarf und geringsten Chancen

Verfasst von Alexander Pistorius.

Nach jüngst veröffentlichten Zahlen werden in sechs Jahren bundesweit über 26.000 Grundschul-Lehrkräfte fehlen. Die Prognosen der GEW Sachsen-Anhalt gehen davon aus, dass unser Bundesland von dieser gravierenden Mangelversorgung besonders betroffen sein wird. Noch gibt es für die Landesregierung Handlungsmöglichkeiten, um den absoluten Notstand für die nächsten Generationen abzuwenden.

Die Studie der Bertelsmann Stiftung prognostiziert bundesweit für die kommende Dekade einen Anstieg im Primarbereich auf etwa 3,2 Millionen Schulkinder. Die bisherigen Berechnungen der Kultusministerkonferenz gingen hingegen von nur etwa 3 Millionen Kindern an den Grundschulen aus. „Diese Diskrepanz wird Sachsen-Anhalt mit einer besonderen Wucht treffen, weil die Landesregierung entscheidende Entwicklungen gerade im Grundschulbereich weiter verschläft“, erklärte dazu die GEW-Landesvorsitzende Eva Gerth.

Auch in Sachsen-Anhalt würden die Schülerzahlen in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Verschärfend wirke sich aber aus, dass nach aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes etwa zwei Drittel der Lehrkräfte an den Grundschulen älter als 50 Jahre sind. „Deshalb gehen wir davon aus, dass in den nächsten zwölf Jahren in jedem Schuljahr rund 400 Grundschul-Lehrkräfte ersetzt werden müssen. Bisher findet das Land nicht mal die Hälfte davon. Und die Konkurrenzsituation unter den Bundesländern wächst rasant“, so Gerth weiter.

Zahlreiche Länder hätten zuletzt die Bezahlung an den Grundschulen an die anderer Schulformen angepasst und lockten damit viele Absolventen. Auf der letzten Landtagssitzung hätte der Finanzminister einem solchen Weg für Sachsen-Anhalt eine klare Absage erteilt. Damit aber würden die Chancen des Landes im Rennen um die wenigen neuen Grundschul-Lehrkräfte weiter rapide sinken. „Noch hat die Regierung das Heft des Handelns in der Hand. Bessere Bezahlung, ein zügiger Ausbau der Studienplätze verbunden mit einer weiteren Öffnung der Ausbildung in Magdeburg, die Einrichtung gezielter Stipendienprogramme in der Lehrkräfte-Ausbildung, mehr Entlastung in den Schulen sowie verlässliche Programme für Seiten- und Quereinsteiger sind die Gebote der Stunde. Die Regierung scheint die Alarmsignale aber weiterhin zu überhören“, sagte Gerth abschließend.

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