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Riesen-Enttäuschung der Beschäftigten

GEW zu Arbeitsschutzmaßnahmen der Landesregierung

Die Vorbereitung des neuen Schuljahres war für die Beschäftigten eine Riesen-Enttäuschung. Der so genannte Rahmenhygieneplan schiebt alle Verantwortung vom Bildungsministerium in die Hände der Schulleitungen. Dies mag in vielen Fällen sinnvoll sein, aber die nötigen Voraussetzungen fehlen, um vor Ort vernünftig agieren zu können.

Mund-Nasen-Schutz

Die zweitägige Pflicht zum Tragen eines MNS in der Schule war sinnfrei. Am dritten Tag hat sich außer viel beschriebenem Papier nichts geändert. Dem pädagogischen Personal wird kein MNS zur Verfügung gestellt, die gesetzlichen Vorgaben hierzu werden ignoriert. Alle weiteren Entscheidungen werden in die Schule delegiert. Die GEW kritisiert, dass hierzu klare Anweisungen fehlen.

Gefährdungsbeurteilungen
Gefährdungsbeurteilungen sind normalerweise die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen bezüglich des Arbeitsschutzes. Hierfür kommen die jetzigen Papiere allesamt zu spät. Der Lehrerhauptpersonalrat hat durchgesetzt, dass die Personalräte an den Schulen durch den Schulleitungenen zu beteiligen sind. Die GEW kritisiert, dass die vorgesehenen zeitlichen Abläufe nach wie vor nicht einhaltbar sind.

Hygieneplan
Der Hygieneplan liest sich wie das Wunschkonzert des Ministeriums ohne Kenntnis, wie die Bedingungen tatsächlich vor Ort sind. Eine aller 20 Minuten durchzuführende Stoß- und Querlüftung ist häufig nicht möglich und dürfte in den kühleren Jahreszeiten ausgeschlossen sein. Das ausgiebige Händewaschen muss in den meisten Schulen aufgrund der gegebenen sanitären Bedingungen in die Fantasiewelt verwiesen werden. „Auf die Einhaltung des Mindestabstandes ... kann verzichtet werden“ ist eine Bankrotterklärung, die die anerkannten Normen des Arbeits- und Infektionsschutzes vollkommen ignoriert. Die GEW kritisiert die zusammengeschusterten und nicht schulalltags-tauglichen Regelungen heftig.

Risikogruppe
Die Kolleginnen und Kollegen der so genannten Risikogruppe werden komplett im Unterricht eingesetzt. Zur Beruhigung werden (unzertifizierte) FFP-2-Masken zur Verfügung gestellt. In der Regel sind FFP-2-Masken nur einmal verwendbar, so dass man mehrere pro Arbeitstag benötigen würde. Die Regelung dürfte auch mangels Masken nicht umsetzbar sein. Ausnahmen vom Regeleinsatz bedürfen eines betriebsärztlichen Attestes, auch dieses dürfte mangels Überlastung der Betriebsärzte nicht kurzfristig beschaffbar sein. Trotz deutlicher Hinweise auf eine besondere Gefährdung in der Schwangerschaft gibt es keine adäquaten Regelungen. Die GEW kritisiert, dass die Probleme und Sorgen der Kolleginnen und Kollegen der so genannten Risikogruppe nicht in individueller Form berücksichtigt werden. Pauschale Lösungen sind hier fehl am Platz und drängen Kolleginnen und Kollegen in die Arbeitsunfähigkeit.
Ohne eine bessere Ausstattung und ohne eine Verkleinerung der Lerngruppen werden wir mit unseren Schulen nicht unbeschadet durch diese Krise kommen.

Wir brauchen zusätzliches Personal, zusätzliche Räume und echte Hygienestandards an den Schulen. Wir brauchen auch neue Lernkonzepte, die das formale Lernen auflösen und abgespeckte Lehrpläne. Wir brauchen endlich einen Ausbau der digitalen Infrastruktur, mit Breitband, Endgeräten und IT-Betreuung.

Die von der Landesregierung vorgelegten altbackenen und größtenteils alltagsuntauglichen Regelungen sollen suggerieren, es ginge alles weiter wie bisher, wenn man sich nur an diese Regelungen hielte. Diese rückwärtsgewandte Bildungspolitik, die gleichzeitig die Gesundheit aller an Schule Beteiligten über Gebühr aufs Spiel setzt, lehnt die GEW Sachsen-Anhalt entschieden ab.

Landesvorstand der GEW Sachsen-Anhalt


 Diese Info zum Herunterladen: GEW-Aktuell September 2020

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