Bildungsminister mauert bei Zahlen zur Unterrichtsversorgung

Verfasst von Alexander Pistorius am .

Die große Personalnot an den Schulen in Sachsen-Anhalt ist bekannt und wird auch vom Bildungsministerium regelmäßig bestätigt. Bei der gegenwärtigen Informationspolitik des Bildungsministeriums verstärkt sich aber der Eindruck, dass der Mangel weit größer ist, als bisher verkündet. Bildungsminister Tullner schweigt beharrlich zur aktuellen Anzahl der Schüler*innen und Lehrkräfte in den Schulen des Landes. Zahlen, die aus den Schulen selbst kommen, sind alarmierend.

Fragen zur Unterrichtversorgung an das Bildungsministerium werden derzeit mit Hinweis auf eine Umstellung des Personalbewirtschaftungsprogramms nicht beantwortet. Verlässliche andere Quellen stehen kaum zur Verfügung. Der Rückblick auf die Statistik des Schuljahres 2019/20, die im September 2019 erstellt wurde, ist erschreckend genug. Bei knapp 178.000 Schüler*innen an den öffentlichen Allgemeinbildenden Schulen konnten von den geplanten 14.500 Vollzeitstellen für Lehrkräfte nur 13.803 ausgeschöpft werden. Die Unterrichtsversorgung lag damals bei nur 96,2%. Dabei steigen die Schüler*innenzahlen weiter, wie die Antwort auf eine kleine Anfrage (Drucksache 7/6464) beweist. Nach dieser Schätzung liegt sie in diesem Schuljahr bei etwa 180.600. Dazu sagte Eva Gerth, Vorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt: „Allein für diese über 2.500 Schüler*innen mehr benötigt das Land etwa 150 zusätzliche Lehrkräfte. Das Land kann aber noch nicht einmal den Ersatz für alle ausscheidenden Lehrkräfte gewährleisten. Der Bildungsminister mauert weiter mit genauen Zahlen. Er wird sehr genau wissen, warum.“

Sorge bereite der GEW und den Lehrkräften auch, dass die Unterrichtsversorgung mit Kürzungen im Bildungsangebot immer wieder auf dem Papier erhöht wird. So wurde für das laufende Schuljahr der Unterricht an den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen gekürzt. Zusätzlich wurde die Arbeitszeit der Lehrkräfte mit der Streichung der Altersermäßigung erhöht. „Die erhöhten Belastungen tragen allein die Beschäftigten mit zusätzlich zu leistenden Stunden weg. Hier muss das Ministerium mit der gesamten Regierung endlich wirksame Maßnahmen ergreifen, um die verbliebenen Kolleg*innen dauerhaft zu schützen“, ergänzte Gerth. Dazu zähle etwa

•    die Einrichtung von Arbeitszeitkonten, die dem Land mehr Unterricht und den Lehrkräften Arbeitszeitsouveränität gewährleisten würden,

•    die Bezahlung der Lehrkräfte an Grundschulen mit A13/E13, wie es inzwischen alle anderen ostdeutschen Bundesländer praktizieren oder angekündigt haben,

•    die demotivierende Streichung der Altersermäßigung zurückzunehmen,

•    eine ausreichende Ausbildung von Lehrkräften durch die Streichung alles NCs in der Lehramtsausbildung an den Universitäten Halle und Magdeburg sowie mehr unbefristete Einstellungen von Hochschullehrkräften,

•    regelmäßige und verlässliche Bedarfsplanungen zu veranlassen, wie es bspw. mit der Expertengruppe 2017 praktiziert wurde.

Vor allem jedoch sollte das Bildungsministerium die Dimension des Mangels endlich offenlegen und Maßnahmen mit allen Beteiligten, vor allem auch mit Vertreter*innen der Beschäftigten an den Schulen, planen und schnell umsetzen.

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