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Langfristige Konzepte und ausreichend Lehrkräfte zum Abbau der Bildungsdefizite notwendig

In der letzten Woche wurde die Landesregierung von Sachsen-Anhalt durch einen Landtagsbeschluss (DS 7/7418) aufgefordert, ein Verfahren zur Ermittlung der Lernstandsdefizite an den Schulen zu entwickeln und diese so schnell wie möglich abzubauen. Die GEW Sachsen-Anhalt plädiert stattdessen aus pädagogischer Sicht und zum Schutz der Kolleg*innen für langfristig angelegte Konzepte. Gerade in den unsicheren Zeiten steigender Inzidenzwerte sollten Schnellschüsse und Aktionismus vermieden werden.

Die Nachrichten zur dringenden Lernstandserhebung und gleichzeitigen Aussetzung der Präsenzpflicht für alle Schüler*innen erreichte die Schulen Anfang dieser Woche fast gleichzeitig. Das ohnehin stark ausgedünnte Personal wird damit vor weitere Herausforderungen gestellt, die erneut Unruhe und Unverständnis in die Schulen bringen. Eva Gerth, Vorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt, erklärte dazu heute in Magdeburg: „Seit genau einem Jahr weiß die Politik, dass Schule nur noch im Ausnahmezustand funktioniert und die Lehrkräfte zwischen Präsenz- und Distanzunterricht, Gesundheitsschutz und Lehrverantwortung aufgerieben werden. Jetzt sollen die Schulleitungen innerhalb einer knappen Woche die Lerndefizite feststellen und Lösungsvorschläge ausarbeiten. Wir haben große Bedenken, dass hier ein Schnellschuss dem nächsten folgt und sich die Bildungsungerechtigkeiten weiter verschärfen.“

Die allermeisten Eltern sorgten sich um entstandene Defizite ebenso wie um die Gesundheit ihrer Kinder. „Die Lehrkräfte im Land kennen und teilen diese Sorgen. Das Aussetzen der Präsenzpflicht steigert die Belastung des Personals, weil der Unterricht kaum noch verbindlich geplant werden kann oder doppelt vorbereitet wird. Zudem besteht die Gefahr, dass wir mehr Schüler*innen verlieren und die Defizite weiter ansteigen.“

In dem Landtagsbeschluss werden auch regelmäßige Gespräche mit Landesschülerrat, Landeselternrat und Gewerkschaften angemahnt. Die GEW Sachsen-Anhalt stehe dafür mit ihren Ideen gern bereit. „Allen Beteiligten muss aber klar sein, dass wir diese kapitale Krise nur langfristig aufarbeiten können. Dafür brauchen wir in allen Bereichen mehr Personal an den Schulen, gute Konzepte und den politischen Willen dazu“, sagte Gerth weiter. Mit kurzen Ferienkursen ließen sich lange pädagogische und soziale Verluste nicht ausgleichen, zumal so auch die Zeiten zur Vor- und Nachbereitung des Unterrichts weiter beschnitten würden und gleich neue Defizite drohten. Für Projekte mit externen Partnern wie Bibliotheken, Künstler*innen, Sportvereinen oder Lehramtsstudierenden sollten verbindlich zusätzliche Gelder über die nächsten Jahre bereitgestellt werden.

 

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