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Kampagne zur Absenkung der Arbeitszeit der Lehrkräfte

GEW startet Kampagne zur Absenkung der Arbeitszeit der Lehrkräfte: Anerkennung des Engagements und Würdigung der Arbeit ist überfällig

Anlässlich des Welttages der Lehrerin und des Lehrers am 5. Oktober startet die GEW Sachsen-Anhalt die Kampagne „Es reicht! Jetzt handeln! Arbeitszeit absenken und Entlastungen schaffen!“. Ein darin enthaltener „Zehn-Punkte-Forderungskatalog“ soll einerseits die Arbeitszeit gerechter gestalten sowie Entlastung für die Schulen schaffen, andererseits auch dazu beitragen, den Mangel an Lehrkräften und damit den Unterrichtsausfall zu reduzieren.
Die GEW fordert die Landesregierung zu Verhandlungen über die zehn Punkte auf.

Die Vorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt, Eva Gerth, forderte die Vertreter*innen der Landesregierung dazu auf, die Arbeitszeit von Lehrkräften endlich zu einem politischen Thema zu machen. „Seit langem ist bekannt und wissenschaftlich belegt, dass Lehrkräfte weit über das normale Maß hinaus arbeiten. Verstöße gegen deutsche und europäische Arbeitszeitregelungen sind in unseren Schulen an der Tagesordnung“, sagt Eva Gerth. So werden u. a. gesetzlich vorgeschriebene Pausen nicht eingehalten und die wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden wird deutlich überschritten.
Der Mangel an Lehrkräften und anderem pädagogischem Personal verstärkt diese Entwicklungen ständig. Die vielzitierten Stellenausschreibungen finden kaum Resonanz. „Das Bildungsministerium muss aufhören, die Situation mit ständig neuen Ausschreibungen und unfruchtbaren Anwerbemaßnahmen zu verschleiern und gleichzeitig Mehrstunden in Größenordnungen anzuweisen“, fordert Eva Gerth.
Viele Lehrkräfte, Schulleitungen und pädagogische Mitarbeiter*innen arbeiten am Limit. So haben über 600 Lehrkräfte weit mehr als die erlaubten 80 Mehrstunden am Ende des Jahres verbucht. Ein „Abbummeln“ der Mehrstunden und damit eine Entlastung im laufenden Schuljahr werde durch das Schulamt ausgeschlossen. Auch deshalb verlassen derzeit etwa die Hälfte aller Lehrkräfte bereits mit dem 63. Lebensjahr den Schuldienst. Die Folge ist weiterer Lehrkräftemangel.
Ein Ende der Mangelsituation ist derzeit nicht abzusehen. Viele der Beschäftigten an Schulen engagieren sich weit über das normale Maß hinaus, sodass Burnout auftritt und sich zu verstärken droht. Es ist völlig kontraproduktiv, wenn Landesregierung und Bildungsministerium den Druck auf das Personal noch erhöhen. Im Gegenteil, die Anerkennung des Engagements und die Würdigung der Leistungen der Kolleginnen und Kollegen ist überfällig.
Die GEW hat deshalb zehn Entlastungsvorschläge erarbeitet, die aus ihrer Sicht kurzfristig umgesetzt werden können. Einzelheiten müssen in Verhandlungen geklärt werden, da Lehrkräfte u. a. bei Arbeitszeitkonten in Vorleistungen gehen werden. „Das müssen wir tarifvertraglich absichern“, so Eva Gerth. „Die Aufforderung zu Verhandlungen wird heute an Ministerpräsident Haseloff verschickt.“

Zehn-Punkte-Forderungskatalog:

  1. Absenken der Pflichtstundenzahl für alle Lehrkräfte um eine Stunde
  2. Mehrarbeit bzw. Mehrstunden begrenzen auf zwei Stunden pro Woche, zusätzliche Stunden nur mit Einverständnis der Beschäftigten
  3. Anrechnungsstunden für jede zusätzlich übertragene Aufgabe für Lehrkräfte, pädagogische Mitarbeiter*innen und Schulleitungen
  4. Einführung von freiwilligen Arbeitszeitkonten, über die Kolleg*innen an Schulen selbst verfügen können, ohne Zwang zum Auszahlen der Konten
  5. Entlastung von Seiteneinsteigenden durch Absenkung der Unterrichtsverpflichtung im ersten halben Jahr und mehr Zeit für Fort- und Weiterbildungen
  6. Aufstockung der Altersermäßigung von einer Unterrichtsstunde ab dem 55. Lebensjahr und von bis zu fünf Stunden ab dem 63. Lebensjahr
  7. Entlastung aller Schulen von administrativen Aufgaben durch Schulverwaltungsassistent*innen
  8. Entlastung aller Schulen durch Arbeit in multiprofessionellen Teams, u. a. Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter*innen, pädagogische Mitarbeiter*innen, Förderlehrkräfte, Schulpsycholog*innen
  9. Ältere Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter*innen können sich für Mentor*innen-Programme bewerben, um unter Anrechnung der Hälfte ihrer Arbeitszeit Studierende im Praktikum, Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst, Seiteneinsteigende und neu eingestellte pädagogische Mitarbeiter*innen zu begleiten
  10. Umsetzung der Ergebnisse der „Schulfrieden“-Gespräche, u. a. Gründung einer Arbeitszeitkommission und Neubewertung der Arbeitszeit von Lehrkräften

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