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GEW bei Landespressekonferenz: Sprachförderlehrkräfte im Abseits

Vorabdruck aus EuW 11/2016

Sprachunterricht für Flüchtlingskinder auf dem Abstellgleis 

(EuW) Nach offiziellen Angaben erhalten derzeit in Sachsen-Anhalt über 7.000 Kinder mit Migrationshintergrund eine spezielle Sprachförderung, um später im regulären Unterricht lernen zu können. Ihre Lehrkräfte sollen zum Jahresende in die Arbeitslosigkeit entlassen werden. Die beteiligten Ausschüsse des Landtagesc Daniel Merbitz LPK Sprachlehrkrfte 25.10.2016 Foto 25web stehen in den kommenden Tagen in der Verantwortung, diese Fehlentwicklung zu stoppen.

Laut Erlass des Bildungsministeriums sollen die Kinder bis zu 18 Monate diese gezielte Förderung bekommen. Die meisten der über 7.000 Kinder sind jedoch erst seit weniger als zwölf Monaten an unseren Schulen. „Den Irrglauben, dass sich diese anspruchsvolle Aufgabe ab Januar mit nur noch 50 Kolleginnen und Kollegen bewältigen lässt, müssen die Verantwortlichen endlich ablegen. Andernfalls wird sich die jetzt schon katastrophale Unterrichtsversorgung im neuen Jahr nochmals deutlich verschlechtern“, sagte die Vorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt, Eva Gerth.

 

Am 14. bzw. 19. Oktober tagten der Bildungs- und der Finanzausschuss des Landtages. Die GEW appellierte an die Mitglieder beider Ausschüsse, als ersten und dringendsten Schritt die Empfehlung für eine sofortige Verlängerung der Verträge bis zum 31. Juli 2017 zu geben. In einem zweiten und ebenso wichtigen Schritt sind Konzepte für die Weiterbildung und dauerhafte Beschäftigung  dieser Lehrkräfte zu entwickeln, damit sie ab dem kommenden Schuljahr für alle Schülerinnen und Schüler den Unterricht absichern können.

„Sachsen-Anhalt kann es sich nicht leisten, diese Lehrkräfte gehen zu lassen. Die Schülerzahlen steigen, die tatsächliche Unterrichtsversorgung liegt in allen Schulformen unter 99 Prozent, der Bund stellt auch für das nächste Jahr Milliarden für Integration bereit — wer jetzt nicht handelt, dem fehlt schlicht der Willen zu Verbesserungen im Bildungssystem“, erklärte Eva Gerth.

Landesvorstand lässt nicht locker

Der Landesvorstand der GEW hat nach dem Versagen des Parlaments in den letzten Tagen erneut auf die besonderen Probleme der Sprachlehrkräfte an allen Schulformen hingewiesen. Eva Gerth informierte am 25. Oktober die Medien über die zugespitzte Lage der befristet beschäftigten Kolleginnen und Kollegen. In der Woche zuvor waren die Betroffenen in persönlichen Briefen über die Aktivitäten und Positionen der GEW zur Interessenvertretung dieser Lehrkräfte informiert worden. Eva Gerth fasste die GEW-Aktivitäten mit dem Motto „Sicherheit für die Sprachlehrkräfte und die Schulen schaffen – Jetzt handeln!“ zusammen.

Fakten liegen auf dem Tisch

Derzeit befinden sich ca. 7.400 Kinder und junge Erwachsene im Sprachunterricht an Grund-, Sekundar-, Gemeinschafts- und Gesamtschulen bzw. an Berufsbildenden Schulen. Mindestens zwei Drittel von diesen Kindern sind weniger als ein Jahr an unseren Schulen. Nach dem Runderlass des Bildungsministeriums „Aufnahme und Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund an allgemeinbildenden Schulen des Landes Sachsen-Anhalt“ vom 20.7.2016, Pkt. 4, sollen „die Schülerinnen und Schüler ... nach Bedarf bis zu 20 Wochenstunden am Sprachförderunterricht teilnehmen können. Die verbleibenden Stunden werden von Beginn an für die integrative Beschulung in den Regelklassen verwendet. Der Besuch einer Sprachfördergruppe dauert in der Regel ein bis eineinhalb Jahre. Es wird empfohlen, die Dauer des Besuches in einer Sprachfördergruppe nach dem individuellen Lernfortschritt der Schülerin oder des Schülers zu entscheiden.“
Insofern ist die Arbeit in Sprachklassen und Sprachgruppen keinesfalls am 31. Dezember 2016 abgeschlossen.

Minister will nicht weiterbeschäftigen

Hintergrund ist, dass sich der Bildungsminister, Marco Tullner, gegen die Weiterbeschäftigung der Sprachlehrkräfte ab dem 1. Januar 2017 ausgesprochen hat. Er ist der Auffassung, dass die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen mit Bedarf an Sprachausbildung schon mindestens ein Jahr in unseren Schulen ist
und demzufolge nur noch bis Februar 2017 in den Sprachklassen bleiben könne. Der entsprechende, oben zitierte, Erlass geht nur von eineinhalb Jahren Sprachunterricht aus. Für die verbleibenden Sprachschülerinnen und -schüler reichen nach der ministeriellen Auffassung dann die 50 Kolleginnen und Kollegen auf den unbefristeten Stellen aus. Dies ist eine Aussage wider besseres Wissen. Es ist weder von einem signifikanten Schülerrückgang noch von einem sinkenden Bedarf an Sprachförderung auszugehen. Die Folge an den betroffenen Schulen wäre allerdings eine weitere Absenkung der Unterrichtsversorgung in der Größenordnung von fünf bis acht Prozent.

Hinhalte- und Verzögerungstaktik?

Das Landesschulamt hat nun eine Abfrage gestartet, um die voraussichtliche Anzahl der Kinder und Jugendlichen in den Sprachklassen in den nächsten Monaten zu klären. Als offen war auch erklärt worden, in welcher Größenordnung die Sprachlehrkräfte weiteren Unterricht bzw. Vertretungsunterricht erteilt und damit die Unterrichtsversorgung der Schulen gesichert haben. Die Ergebnisse dieser Abfrage sollten in der dritten Oktoberdekade vorliegen und als Entscheidungsgrundlage für den Landtag dienen. Es erscheint der GEW allerdings als sehr unwahrscheinlich, dass diese konkreten Zahlen nicht bereits bekannt sind. Weder der Bildungs- noch der Finanzausschuss haben, wie erwähnt, bisher eine Beschlussempfehlung zum Antrag auf Weiterbeschäftigung der Sprachlehrkräfte, der dem Landtag seit seiner letzten Sitzung vorliegt, ausgesprochen. Eine solche Empfehlung ist offensichtlich jedoch üblich für die Befassung im Landtag. Der nächste Bildungsausschuss ist für den 11. November geplant, dort kann dann frühestens eine Entscheidung fallen.

GEW hat vehement widersprochen

Die GEW ist der Auffassung, dass dieser Termin viel zu spät liegt, da sich unsere Kolleginnen und Kollegen in den Sprachklassen natürlich jetzt um eine Anschlussbeschäftigung kümmern müssen. Deshalb ging die GEW am 25. Oktober in die Landespressekonferenz, um nochmals umfassend auf das Problemaufmerksam zu machen. Die GEW-Landesvorsitzende widersprach den Auffassungen des Ministeriums vehement. Wenn die Sprachlehrkräfte nach dem 31. Dezember 2016 nicht mehr in unseren Schulen unterrichten, sinkt die Unterrichtsversorgung weiter. Die Schülerinnen und Schüler bleiben, ob in Sprachklassen oder in den üblichen Unterricht integriert, ca. 185 derzeit befristet eingestellte Lehrkräfte würden die Schulen verlassen – mitten im Schuljahr. Unabhängig davon, ob die Eltern der Kinder Asyl erhalten oder nur ein Bleiberecht haben oder eventuell von Abschiebung bedroht sind, die Kinder unterliegen der Schulpflicht und kommen zum Unterricht. Wer diese Fakten ignoriert, handelt unverantwortlich an den Kindern und ist dafür verantwortlich, dass sich die Belastung für unsere Kolleginnen und Kollegen noch mehr erhöht. Größere Klassen, organisatorische Veränderungen und noch mehr Unterrichtsausfall wären die Folge.

GEW bleibt bei ihren Forderungen

In dem Brief wie gegenüber der Presse hielt die GEW an ihren Vorschlägen bzw. Forderungen fest, den Sprachunterricht mit genügend Personal, mindestens jedoch mit den derzeit Beschäftigten, abzusichern. Es seien weitere Entfristungen vorzunehmen, die sowohl den Sprachschülerinnen und -schülern als auch der Unterrichtsversorgung der Schulen insgesamt zu gute kommen. In diesem Zusammenhang wurde darauf verwiesen, dass entgegen anders lautenden Äußerungen es durchaus rechtlich möglich sei, auch die befristeten Verträge bis zum Schuljahresende zu verlängern, um so haushaltsrechtlichen Vorbehalten aus dem Weg zu gehen. GEW-Mitglieder wurden darauf aufmerksam gemacht, dass sie das Recht auf Vertretung durch die GEW in arbeitsrechtlichen Fragen haben. Erneut wurde eingefordert, berufsbegleitende Weiterbildungen für alle Sprachlehrkräfte, die das wollen, anzubieten, mit dem Ziel eine vollständige Qualifikation für Lehrkräfte zu erreichen.

Selbst aktiv werden 

Da der Landtag über die Weiterbeschäftigung entscheidet, sollten vor allem die Abgeordneten der Regierungskoalition auf die derzeitige Situation aufmerksam gemacht werden. Deshalb wurden die betroffenen Sprachlehrkräfte aufgefordert, die Fraktionsvorsitzenden und die bildungspolitischen Sprecher/innen zu informieren und mit der Situation vor Ort zu konfrontieren. „Proteste müssen bei den politisch Verantwortlichen landen“ heißt es im o.g. Brief.
Die GEW hat als Ansprechpartner Michael Schultze (e-Mail: sprachlehrkraefte@gew-lsa.de) für die Sprachlehrkräfte benannt. 

 

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VERANSTALTUNG MUSS LEIDER ENTFALLEN; WIRD ABER 2020 NACHGEHOLT! Gehört Mobbing heute zur Realität unserer Kinder?Gibt es eine mobbingfreie

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Datum: 26. September 2019, 13:00
Schulsozialarbeit stellt sich in all ihren Facetten vor und wirbt für eine dauerhafte Perspektive.

19
Okt
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Datum: 19. Oktober 2019, 09:00
In einigen Wochen steht für euch bereits der Schulrechtstest auf dem Programm. Die GEW Sachsen-Anhalt

23
Okt
Halle
Datum: 23. Oktober 2019, 09:30
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Magdeburg
Datum: 24. Oktober 2019, 15:30

24
Okt
Apenburg - Winterfeld
Datum: 24. Oktober 2019, 15:30
Inhalt der Veranstaltung: Was tun, wenn Schüler oder Eltern gesetzliche Grenzen überschreiten? z.B. Störungen des Schulfriedens, verbale Attacken, Handgreiflichkeiten, Vandalismus

25
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Datum: 25. Oktober 2019, 10:00

25
Okt
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Datum: 25. Oktober 2019, 15:00

25
Okt
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Zwölf Jahre nach ihrer Schulzeit in einer Inklusionsklasse blicken sechs junge Leute zurück.

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